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Buchbesprechung: Aufklärung gegen Propaganda über Nordkorea

Rainer Werning und Helga Picht: Brennpunkt Nordkorea, edition berolina, ISBN 978-3-95841-088-6,
192 Seiten, 9,99 Euro, 1. Auflage 2018

von Karl-Heinz Peil

Nordkorea wird in den Medien als das einzige Land der Erde dargestellt, das sich nach außen hin hermetisch abschottet. Dieses trifft sicherlich zu, kann aber nicht wirklich als Entschuldigung für vorhandene Wissensdefizite über dieses Land, dessen gesellschaftliche Verhältnisse und einer Bewertung der politischen Führung herhalten. Vor allem mit der Person von Kim Jong-un werden in den Medien gängige Klischees bedient: Der irre Diktator mit der Atombombe. Das gängige Schema von Gut und Böse wird hierbei nur dadurch relativiert, dass Donald Trump als sein personalisiertes Gegenüber in der allgemeinen Wahrnehmung auch nicht besser daherkommt.

Der kürzlich erschienene Sammelband von Rainer Werning und Helga Picht füllt hier die Lücke zum notwendigen Verständnis. Beide Herausgeber sind aufgrund ihrer jeweiligen Biografie ausgewiesene Experten zu Nordkorea. Während von Rainer Werning bereits zahlreiche Einzelbeiträge vor allem in Online-Medien vorliegen, in denen vor allem auf die Historie des Konfliktes eingegangen wird, ist Helga Picht (Jahrgang 1934) in den letzten Jahren publizistisch nicht mehr in Erscheinung getreten. Sie hat neben Sinologie, Japanologie auch Koreanistik in Pjöngjang studiert und war u.a. ab 1986 erste Lehrstuhlinhaberin für Koreanistik in Deutschland (DDR und BRD). In ihren Beiträgen ergeben sich aufschlussreiche Hinweise zum Verständnis der ideologischen Eigenheiten der in Nordkorea mit diktatorischer Macht regierenden Partei der Arbeit. Mit Tschutschhe (Subjekt) und Tschutschhesong (Subjektivität) werden von ihr zwei philosophische Kategorien dargestellt. Deren Verständnis erschließt sich nur durch Kenntnis der Vergangenheit Koreas als Objekt im Konkurrenzkampf der Großmächte, der kolonialen Vergangenheit durch die japanische Annektion von 1910 bis 1945 und der danach erfolgten Spaltung mit dem Krieg von 1950 bis 1953. Die genannten philosophischen Begrifflichkeiten spielten aber auch in Japan eine wichtige Rolle.

Das Verdienst von Helga Picht in diesem Buch besteht darin, dass sie mit ihrem einmaligen fachlichen Hintergrund gesellschaftliche Entwicklungen verständlich macht, ohne dabei ihren wissenschaftlichen Anspruch zu gefährden. Denn auch sie selbst muss auf dieser Grundlage einräumen, dass weiterer Forschungsbedarf besteht. Vor allem besteht die Schwierigkeit darin, philosophische Grundlage und ideologische Partei-Doktrin auseinander zu halten. Zitat:
"Die hier geäußerten Meinungen sind lediglich als Resultat erster Forschungen zu werten und dementsprechend nicht vor Einseitigkeiten und Missverständnissen und Beschränkungen gefeit".

Philosophie und Ideologie sind jedoch nur ein kleiner, wenn auch sehr wichtiger Teil der insgesamt 18 Einzelbeiträge, die überwiegend von Rainer Werning beigesteuert werden. Neben den geschichtlichen Beiträgen zur Entwicklung seit dem Koreakrieg finden sich dort auch sehr interessante Einblicke in den Alltag Nordkoreas.

Fazit: Während man bei der umfassenden Darstellung anderer Konfliktherde in dieser Welt zumeist zwischen mehreren Buchpublikationen die Auswahl hat, kommt man in Bezug auf Nordkorea nicht um dieses Buch umhin. Es ist erfreulich, dass es damit gelungen ist, vorhandenes Expertenwissen in übersichtlicher und leicht lesbarer Form zusammen zu stellen. Bei aller notwendigen kritischen Distanz zum gesellschaftlichen System Nordkoreas - das auch den Einzelbeiträgen zugrunde liegt - gilt die Aussage auf dem Klappentext des Buches:
"Nur wer die Hintergründe versteht, kann sich selbst ein reales Bild machen. Ein kluges Buch genau zur rechten Zeit und eine unverzichtbare Lektüre für alle, die sich Aufklärung statt Propaganda wünschen".

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